Archiv der Kategorie ‘Passivhaus‘

 
 

Auswertungen August 2008

Ich denke jeden Passivhausbewohner interessiert es, ob die theoretisch berechneten Werte auch praktisch eingehalten werden können. Deshalb habe ich begonnen, täglich Buch über die wichtigsten Kennzahlen, wie zum Beispiel Temperaturen, Stromverbräuche und Laufzeiten zu führen. Ich plane, dieses konsequent weiter zu führen. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen Bauwilligen, sich für ein Passivhaus zu entscheiden.

Hier findet ihr eine Erklärung, was ich wie messe und auswerte. Solltet Ihr Fragen haben, oder Euch interessieren andere Werte oder andere Auswertungen, dann freue ich mich auf eine kurze Nachricht.

Als erstes die Temperaturverläuf verteilt über den Monat (ich habe erst am 6.8.2008 mit dem Erfassen der Werte begonnen).

Temperaturverläufe August 2008

Wie man sieht, sind die Graphen für die Innentemperatur im Gegensatz zu den Außentemperaturen sehr konstant. Ebenso ist zu erkennen, dass die Temperaturmaxima und -minima immer recht eng beieinander liegen. Das zeigt auch unsere tägliche Erfahrung. Die Temperatur im Haus ist annähernd konstant, egal ob das Thermometer draußen 25 °C oder 15 °C misst.

Wenn die Temperaturen für die Minima verglichen werden, ist zu erkennen, dass sinkende Außentemperaturen auch eine Abnahme der Innentemperaturen zur Folge haben. Dies ist an dieser Stelle aber nicht zu verallgemeinern. Wir hatten den ganzen August die Fenster Tag und Nacht geöffnet (Baufeuchte…). Ich bin gespannt, ob dieser Effekt auch in den nächsten Monaten so zu beobachten ist.

Für mich interessant waren auch die maximalen und minimalen Außen- und Innentemperaturen.

Maximum und Minimum

Nicht ganz unwichtig ist der minimale und maximale tägliche Stromvebrauch, sowie der Durchschnitt…

stromminmax200808

…und der kumulierte Stromverbrauch pro Monat

gesamtkwh

Beruhigend zu wissen, dass wir mit 315,7 kWh im Monat auf einen Gesamtenergieverbrauch von 18,9 kWh/m²xJahr kommen und für das Passivhaus die Grenze bei 120 kWh/m²xJahr liegt. Wir haben also noch ein wenig Spielraum ;-)

Abschließend noch die Laufzeiten der Wärmepumpe, Solar-Umwälzpumpe und der beiden Heizstäbe.

laufzeiten200808

Der zweite gelbe Balken ist derzeit für uns besonders interessant. Wer sich erinnert, wir dürfen für den Jahresheizenergiebedarf den Wert von 15 kWh/m²xJahr nicht überschreiten. In diesem Monat haben wir für Heizenergie keine Energie aufwenden müssen (ok, auch wenn viele es nicht gemerkt haben, es war Sommer). Wir liegen also noch im Plus!

Wie wohnt es sich im Passivhaus

Wir wohnen nun schon seit ein paar Tagen in unserem Passivhaus und ich möchte kurz auf das Wohngefühl eingehen.

Raumklima und Temperaturen
Zunächst einmal waren wir ein wenig enttäuscht vom vorhandenen Raumklima, konnten dann aber beobachten bzw. erfühlen, dass es von Tag zu Tag besser wurde. Das Problem ist einfach, das sich in einem Neubau extrem viel Feuchtigkeit befindet. Die Feuchtigkeit muss einfach raus und das geht am schnellsten durch Lüften. Wir haben die Temperaturen im Haus beobachtet und festgestellt, dass es bei halbwegs sommerlichen Temperaturen fast nichts ausmacht, wenn für längere Zeit die Fenster geöffnet sind. Dies sei auch für all diejenigen betont, die noch immer der Meinung sind, im Passivhaus dürften keine Fenster geöffnet werden.


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Blower Door Test

Heute war der Moment der Wahrheit gekommen. Stunden hatten wir damit zugebracht, die Luftdichtigkeit des Gebäudes zu planen und später praktisch umzusetzen. Jede Folie wurde peinlichst genau verlegt, verklebt und mehrmal auf Löcher untersucht. Hier das Ergebnis:

Die Firma Energieberatung Widdel aus Gehrde hat für uns die Luftdichtigkeitsmessung durchgeführt. Zunächst sei denjenigen Leser, die sich unter einem Blower Door Test nichts vorstellen können, oder nicht genau wissen, wofür dieser durchgeführt wird, die Seite Energiestandard in diesem Blog empfohlen.

Zunächst wurde ein Fenster durch einspannen eines Winddichten Stoffes in einen Spannrahmens auf den Blower Door Test vorbereitet.

Einpassen des Rahmens

Stoff im Rahmen


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Morgenstund hat Gold im Mund???

Heute Morgen, 5:30 Uhr in Deutschland. Minustemperaturen. Der Wecker hätte mir noch gut und gerne eine Stunde Zeit gegeben, aber einer unserer Nachbarn versucht vergeblich, sein Auto zu starten. Ich bin wach, gehe ins Bad und friere.

Was hat dieses Erlebnis mit einem Passivhaus zu tun?

Nächstes Jahr schellt der Wecker wohl auch weiterhin um 6:30 Uhr. Wir werden aber aufgrund der Lüftungsanlage unsere Fenster nicht mehr geöffnet haben. Dank der Dreifachverglasung in den Passivhausfenstern werden wir auch den Nachbarn, der dringend eine neue Autobatterie benötigt, nicht mehr hören.
Und wenn wir denn doch aufstehen müssen, dann bei wohligen 20 Grad.

Eigentlich doch zu schade, sich in so einem Haus überhaupt schlafen zu legen, oder? ;-)

Passivhaus-Kompendium 2008 erschienen

Ich halte es in den Händen, das Passivhaus-Kompendium 2008.

Erster Eindruck: Wieder einmal sehr informativ, für mich jedoch wenig Neues. Für zukünftige Passivhausbauer aber sicherlich eine gute Möglichkeit, einen Einstieg in den Passivhausgedanken zu finden.

Passivhausbewohner durch “Luxussteuer” bestraft

Über einen aus meiner Sicht unglaublichen Schildbürgerstreich wird bei Unser neues Haus berichtet. Die Erhebung einer höheren Grundsteuer auf Passivhäuser trägt jedenfalls nicht dazu bei, die durch die Bundesregierung gesetzten Klimaschutzziele schnellstmöglich zu erreichen.

Richten die 3.

Für heute 17:00 Uhr hatten wir das Richtfest angesetzt. Bis dahin gabe es noch viel zu tun.

Wechsel eingebautWindrispenbänder

Zum einen musste der Wechsel für das Badezimmerfenster eingebaut werden, zum anderen waren die Windrispenbänder anzubringen.

Wie man sieht hatten wir traumhaftes Wetter, etwas kalt aber sonnig. Für mich wurde das schöne Wetter allerdings durch meine heutige Aufgabe getrübt:

krumme NägelGerade Nägel, so soll es aussehen

Alle 26 Sparren mussten mit jeweils zwölf 42/100-er Nägeln fixiert werden, macht ca: 300 Nägel. Zählt man die krumm geschlagenen Nägel mit, so habe ich an diesem Tag bestimmt 400 Nägel einschlagen müssen. Bereits nach 3 Sparren, als 36 Nägeln hatte ich meine erste Blase und die Knöchel wund, durch das Hämmern in der Nähe der Sparren. Wenn man meinen ersten und den letzten Sparren vergleicht finde ich, habe ich große Fortschritte gemacht :-)

Impressionen vom fertigen DachstuhlImpressionen vom fertigen Dachstuhl OstansichtImpressionen vom fertigen Dachstuhl Süd-West AnsichtPause der Zimmerleute

Irgendwie ging aber auch das vorbei und die Sparren sollen wohl die nächsten 50 Jahre halten. Um 14:00 Uhr waren wir soweit fertig. Während der Bauherr noch einige Fotos geschossen hat, haben sich die “Zimmerleute” ein Bier verdient.

Bevor die Gäste kommen heist es jetzt noch aufräumen, sauber machen und Fenster mit Baufolie abkleben. Da wir keine Stehparty veranstalten wollen, haben wir uns überlegt, aus unseren Gerüstbrettern und Steinen eine schöne lange Tafel zu bauen. Die sah dann auch toll aus, aber davon mehr beim Richtfest.

Richten die 2.

die ersten 4 Sparren im 1. OGdie ersten 4 Sparren im 2. OG

Schneller als erwartet ging die Montage der TJI-Träger. Schon um 9:00 Uhr standen die ersten 4 Sparren dort, wo sie hingehörten. Sie wurden zunächst mit 2 Nägeln fixiert, die restlichen 18 kommen später.

Querverstrebung zwischen den SparrenSparren mit Blick nach Unten

Zwischen zwei Sparren wird an der Fußfette eine Verstrebung angebracht. Der Blick nach Unten zeigt, wir haben sowohl die Länge des Daches, als auch den Dachüberstand richtig berechnet.

Eingangsbereich mit Dachder erste Blick auf unser Dach2. OG mit Dach auf der Nordseite

40 Minuten später, konnte das Ganze schon als Dach bezeichnet werden. Ein Anblick, den wohl kein Bauherr vergessen wird. Auch der Eingangsbereich sieht einfach toll aus.

Jezt fehlt uns die Firstfette, die wir per Kran aufstellen wollten. Dazu haben wir unsere “netten” Maurer von nebenan gefragt und sind prompt wieder angemuffelt worden (keine Zeit, keine Lust, vielleicht, irgendwann …). Da ich ungern mit braunen Ringen um die Nase herumlaufe (vom A….kriechen) haben wir kurzerhand einen Autokran bestellt. Dieser wurde uns für 15:00 Uhr zugesagt. In der Zwischenzeit war ja auch genug damit zu tun, die Träger ordentlich mit Fuß und Mittelfette zu verbinden.

Der Krank kommt

Um kurz nach 15:00 Uhr kam der Kran. Kurz vorher war übrigens der “nette” Kranführer von nebenan bei uns, um uns mitzuteilen, man hätte jetzt 15 Minuten Zeit für uns. Gedacht habe ich viel, gesagt habe ich: “Vielen Dank, aber die Sache hat sich erledigt!”.

Firstfette auf 2. OGFirstfette am Boden

Zunächst musste die Mittelfette nach unten, um ein Unterteil anzuschrauben. Anschließend wurde sie an die stehenden TJI-Träger gehoben und dort fixiert.

Befestigen der FirstfetteFirstfette Passt

Das Anbringen war kinderleicht. Fette an die Nördlichen Träger anlegen, befestigen, 2 Südliche TJI-Träger aufstellen, ausrichten, Stützen drunter, passt!

Dach von SüdenDach von NordenDer Wechsel für das Badezimmerfenster fehlt noch

Nach getaner Arbeit noch einige Aufnahmen von unserem Dach. Morgen müssen wir den Wechsel für das Badezimmerfenster einbauen und etwa eine halbe Million Nägel verarbeiten, damit das Dach auch hält.

Richten die 1.

Die Anlieferung des Holzes sollte gegen 11:30 erfolgen. Um 9:30 dann ein Anruf unseres Architekten, der LKW ist unterwegs und wird gegen 10:00 eintreffen. Schnell umziehen und ab zur Baustelle.

LKW mit HolzLKW mit Holz von oben

Als er dann eintraf, habe ich direkt einige Fotos gemacht. Obenauf liegen die Firstfette, die Fuß- und Mittelfetten und ganz unten die TJI-Träger, die unsere Sparren ersetzen.

TJI ist ein Markenname der Firma TrusJoist. Bei den Trägern werden zwei Gurte aus verleimtem Schichtholz durch einen Steg aus OSB-Platte (Grobspanplatte) verbunden.

Oberseite der TJI-TrägerUnterseite der TJI-Träger

Auf dem linken Bild sieht man die Seite der Träger, die später mit der Firstfette verbunden werden, rechts ist die Unterseite.

Da wir keinen Kran haben, hat die Zulieferfirma mindestens 3 Leute zum Abladen des LKW bestellt. Zwei Nachbarn hatten uns aber schon öfter die Nutzung ihres Krans angeboten. Leider wurde auf diesen beiden Baustellen heute nicht gearbeitet. Aber wir haben ja noch einen dritten Nachbarn. Schweren Herzens haben wir den dortigen Kranführer um Hilfe gebeten, denn auf dieser Baustelle sind wir von den Maurern schon mehrfach angemuffelt worden. So wurde uns dann auch heute gesagt, man hätte viel zu tun, aber in 10 Minuten würde man sich dazu herablassen, uns zu helfen.

Holz auf der OG-Decke

Aus den 10 Minuten wurde dann 1 Stunde aber schlussendlich hatten wir das ganze Holz auf der OG-Decke liegen.

Plazieren der Mittelfette

Mit der richtigen Technik und 4 starken Männern war das Plazieren der Fußfette auf der EG-Decke fast kein Problem. Diese besteht ja auch aus zwei Teilen, einem Kantholz und einem angeschrägten Teil.

Kontrolle der richtigen LageFußfette fertig

Das Kantholz wird mit den Bolzen in den Drempelstützen verschraubt, dann kann der angeschrägte Teil der Fußfette kommen. Dieser wird auf dem Kantholz vernagelt und verschraubt.

fertige Fußfette

Die Beschreibung des Statikers war einfacher geschrieben als die Bauanleitung für Möbel eines schwedischen Möbelhauses und so sah die fertige Fußfette dann auch so aus, wie sie aussehen sollte.

Ähnlich ging es jetzt mit den Mittelfetten weiter, die auf der OG-Decke verschraubt wurden. Für die Montage der Fetten haben wir dann auch den ganzen Tag gebraucht.

Vergleich Innen- und Außenklima

Das Wellenreiter Passivhaus-Blog veröffentlicht einen Vergleich zwischen Innen- und Außenklima.

Man sieht sehr schön, dass selbst in der Nacht die Temperatur nicht unter 22,0 °C abfällt (ohne zusätzliche Heizung!).

Ich hoffe, ich bringe auch nach dem Hausbau noch die Energie auf, solche Erfahrungswerte zu sammeln und zu veröffentlichen. Für mich als noch-nicht-Passivhausbewohner sind solche praktischen Berichte von Bewohner mehr Wert als die Aussagen von dutzenden Firmen.

Danke deshalb den “Wellenreitern” und allen anderen, die sich weiterhin die Mühe machen, Daten zu sammeln und zu veröffentlichen.