Blower Door Test
Heute war der Moment der Wahrheit gekommen. Stunden hatten wir damit zugebracht, die Luftdichtigkeit des Gebäudes zu planen und später praktisch umzusetzen. Jede Folie wurde peinlichst genau verlegt, verklebt und mehrmal auf Löcher untersucht. Hier das Ergebnis:
Die Firma Energieberatung Widdel aus Gehrde hat für uns die Luftdichtigkeitsmessung durchgeführt. Zunächst sei denjenigen Leser, die sich unter einem Blower Door Test nichts vorstellen können, oder nicht genau wissen, wofür dieser durchgeführt wird, die Seite Energiestandard in diesem Blog empfohlen.
Zunächst wurde ein Fenster durch einspannen eines Winddichten Stoffes in einen Spannrahmens auf den Blower Door Test vorbereitet.
Übrig bleibt lediglich ein Loch, in welches das Messgerät eingepasst wird (Bild rechts, untere rechte Fensterecke)
Nach der Eingabe der Objektdaten …
… schließt das Gerät das (hoffentlich!) letzte verleibende Loch in unserer Gebäudehülle.
Zunächst erfolgt ein Probedurchlauf. Im Gebäude wird ein Unterdruck erzeugt und das Gerät misst den Volumenstrom, der benötigt wird, um den Unterdruck zu halten. Anschließend folgt die gleiche Messung, jedoch wird dabei ein Überdruck erzeugt.
Die gemessenen Werte waren vergleichbar mit Werten, die man in einer Höhle der Neandertaler hätte messen können. Wo war der Fehler? Wir hatten vergessen, die Siphone der Sanitärobjekte mit Wasser zu füllen. Lecker roch es. Die Unterdruckmessung hatte den Muff aus der Kanalisation ins Haus geholt.
Bei der Schuldzuweisung waren sich beide Verdächtige einig: “Er war’s!”.
Der nächste Durchgang passte dann aber. Bei Unterdruck betrug die Luftwechselrate n50=0,24 h-1 und bei Überdruck n50=0,25 h-1.
Zur Erinnerung, für unser Passivhaus liegt der Grenzwert bei n50=0,60 h-1. Wir liegen also bei etwa einem Drittel der geforderten Beschränkung.
Um einmal die Größenordnung zu verdeutlichen stelle ich hier zwei weitere Werte zum Vergleich:
Der Zulässige Grenzwert der Luftdurchlässigkeit nach DIN 4108-7 und Energieeinsparverordnung (ENEV) beträgt für Gebäude mit Fensterlüftung n50=3,0 h-1 (in Worten drei komma null) und für Gebäude mit mechanischer Lüftung “nur” n50=1,5 h-1.
Jeder Bauwillige sollte sich wirklich vor Augen führen, dass Windstärke 5 etwa eine Druckdifferenz von 50 Pascal an den gegenüberliegenden Gebäudeseiten erzeugen kann. Das bedeutet also, dass es durchaus vorkommen kann, dass die Luft in einem Gebäude herkömmlicher Bauweise bis zu dreimal pro Stunde ausgetauscht wird.
Ein Tipp für alle Passivhausbauer: Lasst Euch nicht überreden, andere, als luftdichte Steckdosen zu verwenden. Wir haben normale genommen und diese wirklich akribisch in Gips eingebettet. Trotzdem ist es uns nicht gelungen, alle Dosen dicht zu bekommen.
Zu guter Letzt möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Herrn Dipl. Ing. Michael Widdel bedanken, der unseren Blower Door Test Durchgeführt hat und mir jederzeit alle auch noch so dummen Fragen geduldig beantwortet hat.
